«Ueli Maurer isst mehr Couscous als Raclette»

Spätestens seit dem Foto von Alain Berset haben Selfies im Bundeshaus Einzug gehalten. Jetzt doppelt Ueli Maurer nach – wenn auch etwas unfreiwillig.

Sich volksnah zu geben ist bei vielen Politikern Trumpf. Bundesrat Ueli Maurer gelingt dies anscheinend besonders gut. Als der SVP-Politiker am Montagnachmittag von einem Gymnasiasten in der Berner Innenstadt angesprochen wurde, liess er sich nicht nur zu einem Schwätzchen über Ausländer und sein Privatleben verleiten, sondern auch zu einem Selfie.

«Ich war mit der Schule fertig und wollte zum Klavierunterricht, als ich in der Nähe des Loeb-Egge Bundesrat Ueli Maurer auf der Strasse erkannte», sagt Gymnasiast Deniz Fidanoglu. Er habe seine Kopfhörer aus den Ohren genommen und sei dem Bundesrat entgegengegangen. «Ich hatte schon einiges über ihn und seine ausländerfeindliche Politik gehört», sagt der 17-Jährige mit türkischen Wurzeln. «Also dachte ich, ich spreche ihn einfach mal darauf an.»

«Zu Hause mehr Couscous als Raclette»

Auf das «Sorry schnäu, dir sit doch dr Herr Ueli Muurer» habe der Verteidigungsminister gelassen reagiert – ebenso wie auf den Vorwurf, er betreibe eine ausländerfeindliche Politik. «Ueli Maurer meinte, das sei nur die Darstellung in den Medien, die ein solches Bild von ihm lieferten», sagt Fidanoglu.

Der Bundesrat habe dem Gymnasiasten versichert, kein Rassist zu sein. Zudem habe er ihm erzählt, dass die Bundesrats-Gattin sogar in Ghana aufgewachsen sei: «Deshalb esse er zu Hause mehr Couscous als Raclette», so Fidanoglu weiter. «Ich habe dann später im Internet recherchiert und herausgefunden, dass seine Frau eine Missionarstochter ist», so der 17-Jährige.

Deniz Fidanoglu hatte Freude am Treffen mit dem Bundesrat. «Nach der lustigen Diskussion machten wir lachend ein Selfie», so der Berner Gymnasiast weiter. Die Begegnung habe gezeigt, dass auch Politiker Spass haben könnten.

Auch der Bundesrat hat die Begegnung positiv in Erinnerung: «Wenn ich Zeit habe, spreche ich gerne mit den Leuten auf der Strasse und die Geschichten sind hochinteressant», sagt Ueli Maurer gegenüber 20 Minuten, «und wenn es zeitlich drinliegt, bin ich selbstverständlich auch einverstanden, ein Foto zu machen.» Der Bundesrat outet sich gar als alter Selfie-Hase: «Ich habe bereits tausende von Selfies gemacht.»

>> Link 20 Minuten

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