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Von Kindergeschrei und verzweifelten Müttern…

Ich habe meine Meinung über eine bestimmte Personengruppe geändert. Und zwar die über Mütter mit quengelnden, schreienden und schlichtweg nicht zu bändigenden Kleinkindern. Der Sinneswandel erfolgte, nachdem ich mich während der letzten paar Wochen häufiger mit einer Freundin getroffen hatte, die Mutter einer 14-monatigen kleinen Tochter ist, und von der sie immer häufiger seufzend zu sagen pflegt: „This girl is very dangerous!“ Wie die meisten Kleinkinder in diesem Alter hat sich auch Hidaya während der letzten Monate von einem allerliebst im Kinderwagen schlafenden Baby (-jöööööh!) zu einem jähzornigen und angsteinflössenden Kleinkind entwickelt, einem Schreihals, der die verärgerten und vorwurfsvollen Blicke aller Passant/innen, Businsass/innen oder Konsument/innen im Supermarkt auf sich zieht. Dabei treten ihre Wutausbrüche meist aus heiterem Himmel hervor und sind so angenehm wie ein kalter Regenschauer: Während sie noch vor einer Minute mit der Faust im Mund feuchtfröhlich vor sich her lallte, ergreift sie im nächsten Augenblick der unüberwindbare Drang im fahrenden Tram herumzurennen. Da hilft kein gutes Zureden, weder Ablenken, noch Auf-den-Schoss-nehmen: Entweder kriegt Hidaya ihren Willen, oder die übrigen Trampassagiere bekommen zu hören, nein, spüren (!), wie sich ein vor Wut schier platzendes kleines Mädchen anhört. Die erste Variante kommt natürlich nicht in Frage, weshalb man sich denken kann, was jetzt folgt… Die Leute fangen an sich umzudrehen. Drehen sich wieder weg. Einige bleiben mit ihren Blicken an uns hängen und starren uns an. Meine Freundin weiss nach einer Weile auch nicht mehr weiter und bekommt diesen hilflosen Ausdruck im Gesicht, den ich nur im Zusammenhang mit den Detonationen ihrer Tochter von ihr kenne. Am liebsten würde sie sich im Tramboden auflösen! Und auch ich, die zu Beginn noch gefasste Coolness auszustrahlen versucht, beginne jetzt unruhig in meinem Sitz umherzurutschen. Dabei hätte ich vor einigen Wochen wahrscheinlich selbst genervt die Augen verdreht und mich innerlich über die unfähige Mutter geärgert, die ihr Kind nicht unter Kontrolle hat. Doch nun sitze ich daneben und gehöre zu dieser Bande Störenfriede mit dazu, bin mit-ratlos, werde mit-angestarrt und meine mütterlichen Kompetenzen anzweifelnd als mit-unfähig verurteilt. Kein angenehmes Gefühl.

Durch diese quasi-traumatische Erfahrung gekennzeichnet plädiere ich deshalb dafür, dass all jenen Müttern, die mit solchen Situationen zu kämpfen haben, die nötige Toleranz, nein, der nötige Respekt entgegengebracht wird! Denn Kindergeschrei ist für Aussenstehende zwar nicht gerade angenehm, jedoch wirklich nichts im Vergleich zum Stress, den es in den Müttern selbst auslöst. Ernsthaft! „This girl is very dangerous…“, seufzt meine Freundin denn auch sichtlich erleichtert, als die Kleine wieder friedlich an ihrem Nuggi nuckelt und aussieht, als könnte sie keiner Fliege was zuleide tun. Kann sie ja auch nicht. Der Regenschauer ist (zumindest vorübergehend) vorbei und wir warten gespannt auf den nächsten…

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Albina Muhtari
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