Pioniere bringen heimische Shrimps auf unsere Teller

Die erste Crevetten-Farm der Schweiz nimmt ihren Testbetrieb auf – die Larven wurden eingewassert. Die Pioniere wollen bald Crevetten im grossen Stil züchten.

Die ersten Larven von Weissen Shrimps sind letzte Woche aus Florida in Luterbach SO eingetroffen. Nun wurden die Tierchen in der Testanlage der Swiss Shrimp AG eingewassert. «Mit unserem Pilotprojekt wollen wir nicht nur herausfinden, was getan werden muss, damit die Shrimps in der Schweiz überleben, sondern wollen untersuchen, wie wir vorgehen müssen, um als Shrimpsfarmer auf dem Schweizer Markt wettbewerbsfähig zu sein», sagt Geschäftsführer Rafael Waber.

Das Pilotprojekt wurde 2013 gestartet und hatte bisher mit einigen Hürden zu kämpfen. So musste für die Tiere etwa eine möglichst natürliche Umgebung geschaffen werden, denn die Larven bevorzugen 30 Grad warmes, sauerstoffreiches Meerwasser.

Haltung soll besser sein als im Ausland

Die Shrimp-Pioniere wollen mit den Crevetten aus heimischer Produktion eine Marktlücke schliessen: «Schweizer verspeisen jährlich rund 8000 Tonnen Shrimps», sagt Rafael Waber. Dabei handle es sich hauptsächlich um tiefgefrorene Ware aus Thailand und Indochina. Den meisten Konsumenten sei nicht bekannt, unter welchen Bedingungen die Tiere dort gehalten und später getötet würden. «In der Schweiz gibt es sehr viele Leute, die wissen wollen, was sie essen und auch bereit sind, etwas mehr dafür zu zahlen», ist Waber überzeugt. Deshalb könne man neben Billig-Importen bestehen.

Als Schweizer Crevetten-Pioniere legten sie Wert auf eine transparente Produktion: «Die Larven werden in einem schonenden Prozess langsam an die Anlage gewöhnt.» Mit zunehmender Grösse werden sie dann in grössere Becken verlegt und sind nach sechs Monaten reif für die Ernte: «In unserer Anlage kommen die Shrimps in Eiswasser und sind innerhalb weniger Sekunden tot», sagt Waber. Man prüfe ausserdem die Möglichkeit, die Tiere im Vorfeld zu betäuben – diese Methode müsse allerdings erst noch genauer erforscht werden.

Kilo unter 100 Franken

Die schonende Haltung und schnelle Tötung sei jedoch nur ein Grund, Schweizer Shrimps zu bevorzugen. Hinzu komme die Frische: «Shrimps aus dem Ausland sind tiefgefroren und meist mehrere Monate alt», so Waber, «wir hingegen planen, Shrimps frisch anzubieten.» Ausserdem lege man Wert auf Nachhaltigkeit: «Unser zukünftiger Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Industriebetriebs mit überschüssiger Abwärme. Für die Erwärmung der Wasserbecken nutzen wir diese Abfallwärme und betreiben somit Energierecycling.»

Wann die ersten Schweizer Shrimps in die Läden kommen ist noch unklar. Angedacht ist, dass nach dem Testbetrieb eine 20 Tonnen-Anlage in Betrieb genommen wird. Ein Kilo Schweizer Crevetten soll dereinst unter 100 Franken kosten.

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