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Meisterfälscher zeigt Matisse und Picasso

Werke von Matisse, Beckmann und Picasso hängen in der Galerie Christine Brügger – gemalt von Wolfgang Beltracchi. Per Skype gab der Meisterfälscher aus der Haft Auskunft.

Wolfgang Beltracchi wirkt gelassen, scherzt mit den Besuchern. Per Skype-Übertragung ist der in Vollzugshaft sitzende Meisterfälscher in der Galerie Christine Brügger zugeschaltet und beantwortet Fragen des Publikums. «Werden Sie jemals aufdecken, welche Werke grosser Meister tatsächlich von Ihnen sind?», möchte ein Herr in schwarzer Jacke wissen. Beltracchi zögert. «Das kann ich nicht machen», sagt er dann. «Diejenigen, die es nicht wissen, wären geschädigt. Wenn mich allerdings jemand fragt, ob ein Werk nicht tatsächlich von mir ist, gebe ich ehrliche Antwort», fügt er hinzu.

Nach der Fragerunde verabschiedet sich der Künstler dann auch zu einer Pause. Schliesslich wolle er noch etwas essen, bevor er um 17 Uhr wieder ins Gefängnis müsse. Zur Demonstration hält Beltracchi ein Laufgitter aus Holz in die Kamera. Das Publikum lacht. «Er ist einfach ein Lebenskünstler», flüstert eine Besucherin.

«Endlich steht die Kunst im Vordergrund»

Zur Eröffnung der Vernissage ist auch Beltracchis Ehefrau Helene aus Deutschland angereist. Mit ihrer Unterstützung malte der Meisterfälscher jahrzehntelang Bilder, die er als verschollene oder unbekannte Werke grosser Meister verkaufte – darunter etwa Picasso, Matisse oder van Dongen. 2008 wurden die Beltracchis überführt – Helene erhielt vier Jahre Haft im offenen Vollzug, Wolfgang Beltracchi sechs. Mittlerweile hat die Frau mit den langen, blonden Haaren ihre Strafe abgesessen und freut sich über die Ausstellung: «Es ist schön, dass Christine Brügger uns die Gelegenheit gab, die Werke meines Mannes hier zu zeigen. Bisher stand das Verbrechen im Zentrum, nun steht endlich die Kunst im Vordergrund.»

Trotzdem wird das Paar wohl nie gänzlich mit der Vergangenheit abschliessen können. Ihre Zeit im Gefängnis haben sie in Form von Briefen in einem Buch veröffentlicht. «Das kann man sich als Aussenstehender gar nicht vorstellen», sagt Helene Beltracchi. «Mein Mann und ich waren früher jeden Tag 24 Stunden zusammen. Im Gefängnis kamen wir schliesslich in getrennte Zellen und durften uns erst nach vier Monaten zum ersten Mal sehen. Irgendwie mussten wir allerdings kommunizieren und haben dies in Form von Briefen gemacht. Die haben wir in einem Buch veröffentlicht.»

Fälschung ja, Kopie nein

Anfang nächsten Jahres darf auch Wolfgang Beltracchi das Gefängnis verlassen. Seine Werke wurden seit seiner Inhaftierung im Jahr 2008 gestern zum ersten Mal in einer Galerie ausgestellt. «Ich habe einen Film über Beltracchi gesehen und er hat mich sehr inspiriert. Deshalb habe ich ihn angerufen und gefragt, ob er seine Werke nicht bei mir ausstellen wolle», sagt Galeristin Christine Brügger. Dass der Meisterfälscher im Gefängnis sitzt, sieht sie nicht als Hindernis: «Beltracchi war für seine Vergangenheit im Gefängnis und hat seine Strafe bald abgebüsst.»

Ausserdem sei es wichtig zu betonen, dass Beltracchi die Bilder zwar als die Werke anderer verkauft, diese jedoch nicht kopiert habe. «Es sind Bilder, die in ihrer Handschrift jemandem nachempfunden wurden, jedoch keine Kopien sind. Diese Gemälde hat es so noch nicht gegeben. Deshalb sind sie aus einer künstlerischen Perspektive aus betrachtet sehr interessant.»

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