«Gebühren-Verdopplung trifft die Falschen»

Wer an der Uni Bern länger als sechs Jahre studiert, muss ab nächsten Herbst tiefer in die Tasche greifen. Die Studierenden haben dafür kein Verständnis.

Eine neue Regelung der Universität Bern erhitzt derzeit die Gemüter der Studenten: Für Studierende, die nach sechs Jahren noch keinen Universitätsabschluss haben, verdoppeln sich ab Herbst 2015 die Studiengebühren mit jedem zusätzlichen Semester. So bezahlen Studenten ohne Abschluss im siebten Jahr bis zu 3000 Franken Gebühren, das Semester darauf kostet bereits 6000 Franken.

Benachteiligung für berufstätige Studenten

Heftig kritisiert wird die neue Regelung vom Verband der Schweizer Studierendenschaften: «Die Regelung der Universitätsverordnung trifft die Falschen», sagt Dominik Fitze von der Geschäftsleitung des Verbands. «Das sind nicht Studierende, die faul sind und nichts tun, sondern solche, die neben dem Studium noch andere Verpflichtungen haben.» So würden viele Langzeitstudenten einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen oder hätte bereits Kinder, um die sie sich kümmern müssten.

Auch die Argumentation des Regierungsrats für die neue Regelung macht für Dominik Fitze wenig Sinn: «Die Universität Bern hat bereits jetzt Instrumente, um die Studienzeit zu begrenzen. Der Regierungsrat hat in Bezug auf Regelung argumentiert, Studenten würden die Begrenzung umgehen, indem sie einfach das Fach wechselten. Doch niemand studiert nur um des Studiums Willen. Die Studenten studieren Fächer, die sie interessieren», so Fitze gegenüber 20 Minuten.

«Wer aus reichem Haus kommt, kann sich hohe Gebühren leisten»

Auch bei der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) ist man über die Regelung alles andere als erfreut. Einer Umfrage der SUB zufolge gehen 90 Prozent der Berner Studierenden einer Erwerbstätigkeit nach. Gerade solche, die auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen seien, müssten ihr Studium hinten anstellen. Doch auch persönliche Schicksalsschläge oder ein plötzlicher Ausfall von finanziellen Zuschüssen könnten dazu führen, dass Studenten ihr Studium verlängern müssten.

Problematisch sei die Regelung auch, weil sie die Studierenden ungleich treffe: «Wer aus reichem Haus kommt, wird sich Studiengebühren leisten können, auch wenn sich diese verdoppeln oder vervierfachen. Jene aus schlechter gestellten Haushalten werden hingegen benachteiligt und zu einem früheren Abbruch gezwungen», sagt Vorstandsmitglied Julian Marbach.

«Es geht ums Geld»

Ein Studentenvertreter, der anonym bleiben will, vermutet ausserdem, dass es bei der neuen Regelung nicht um das Wohl der Studenten geht: «Studiert ein Student aus einem Kanton ohne eigene Universität an der Uni Bern, erhält die Uni Bern vom Heimatkanton Zuschüsse. Diese variieren je nach Fach: Bei Studenten der Geisteswissenschaften belaufen sie sich zum Beispiel auf 10’000 bis 15’000 Franken pro Jahr, bei Medizinstudenten um die 80’000 Franken. Die Heimatkantone bezahlen aber nur sechs Jahre lang, dann ist Schluss.» Um nicht auf möglichen Kosten sitzenzubleiben, wolle die Uni deshalb die Studenten selbst zur Kasse bitten. «Dabei beziehen Langzeitstudenten ja nicht mehr Leistung als die anderen. Sie teilen sich ihre Vorlesungen einfach anders auf.»

Bei der Uni Bern versteht man die Aufregung nicht. Studierende könnten aus wichtigen Gründen, wie Kinderbetreuung oder Erwerbstätigkeit, ihre Studienzeit verlängern. Ausserdem enthalte die Regel eine Klausel, die Härtefälle bei der Berücksichtigung der Studiengebührenerhöhung berücksichtige.

>> Link 20 Minuten

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