Das Geschäft mit den schwarzen Nägeln

Das Geschäft mit der Nagelkosmetik boomt: Bernerinnen haben den Markt entdeckt und bieten vermehrt «Negeli mache» zu Hause an. Professionelle Studios üben Kritik.

Mit künstlichen Nägeln das Budget aufbessern: Studentinnen und Hausfrauen haben das «Negeli machen» entdeckt und verdienen sich am heimischen Küchentisch einen Zustupf. Zu ihnen gehört auch Studentin Miriam aus Bern, die anonym bleiben möchte, weil sie ihr Gewerbe nicht angemeldet hat. «Eine Kollegin hat mir die Nägel gemacht und ich fand es wahnsinnig schön. So kam ich auf die Idee, damit Geld zu verdienen. Ich habe pro Monat etwa vier Kundinnen.»

Miriam empfängt sie in der eigenen Wohnung. Das Maniküre-Set mit dem notwendigen Material hat sich die 27-jährige Studentin für umgerechnet 250 Franken in Deutschland bestellt, das Handwerk hat sie sich mit Hilfe von Youtube-Videos selbst beigebracht: «Im Internet gibt es zahlreiche Tutorials, die zeigen wie es geht», sagt sie. Pro Auftrag verlange sie im Schnitt 40 Franken.

Infektionsgefahr bei Laien

Das ist deutlich weniger als bei professionellen Nagelstudios, wo eine Erstbehandlung 150 bis 200 Franken kostet. Für jede weitere Behandlung wie etwa das Auffüllen der Nägel blättern die Kundinnen alle drei bis sechs Wochen zusätzlich 60 bis 100 Franken auf den Kosmetiktisch. Ein teures Vergnügen. Trotzdem lohne sich ein Besuch in einem professionellen Nagelstudio, meint Kosmetikerin Liliane Ferrano von Delanails. «Das Nägel-Machen bei Privaten boomt. Es gibt sehr viele Studentinnen, Hausfrauen, Mütter und Arbeitslose, die das schnelle Geld verdienen wollen.»

Das Ganze brauche sehr viel Übung und Geduld: «Wird eine Behandlung nicht fachmännisch durchgeführt, können Nagelpilz und Infektionskrankheiten übertragen werden – im schlimmsten Fall sogar das HI-Virus.» Täglich müsse sie in ihrem Studio Nägel ausbessern, die in einem «Home Office» gemacht wurden.

«Mehr Hygiene kann ein Nagelstudio auch nicht bieten»

Dass sich ihre Kundinnen mit Infektionen anstecken befürchtet Miriam nicht. «Es kommt immer darauf an, wie gearbeitet wird. Mit Maske und Handschuhen, Desinfektionsmittel und frischen Tüchern sowie einer neuen Feile bei jeder Kundin ist es sehr unwahrscheinlich, dass etwas passiert. Mehr Hygiene kann ein professionelles Nagelstudio auch nicht bieten.» Es brauche einfach das nötige Wissen und das Internet liefere hier sehr viel Information.

Die 27-jährige Studentin ist erfolgreich: Mittlerweile kommen Frauen von ausserhalb der Stadt, um sich von Miriam die «Negeli» machen zu lassen. «Neulich kam eine Kundin aus Interlaken zu mir nach Bern. Die hatte durch eine andere Frau von mir erfahren und diese wiederum durch meine Nachbarin.»

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