Blumen vor US-Botschaft – Polizei kontrolliert Muslime

In Gedenken an die Opfer des Attentats von Chapel Hill wollten Muslime Blumen vor der US-Botschaft niederlegen. Die Polizei reagierte mit einer Personenkontrolle.

as Blutbad an drei muslimischen Studenten in Chapel Hill von vergangener Woche beschäftigt auch die Muslime in der Schweiz. In Gedenken an die Opfer wollte deshalb eine Gruppe von Muslimen am Samstagnachmittag Blumen vor der US-Botschaft in Bern niederlegen.

«Wir waren traurig über den Tod der drei Studenten und betroffen darüber, dass sich in den USA kein hochgradiger Politiker zu dem Attentat geäussert hat», sagt eine Beteiligte, die anonym bleiben will. «In Gedenken an die verstorbenen Jugendlichen wollten wir deshalb Blumen vor der US-Botschaft niederlegen.»

Von sechs Polizisten kontrolliert

Für die Gruppe aus sechs Frauen, einem Baby und einem Mann hatte die Aktion jedoch ein Nachspiel. «Kurz nachdem wir die Blumen niedergelegt hatten, trafen im Einminutentakt drei Streifenwagen mit jeweils zwei Polizeibeamten ein und haben eine Personenkontrolle durchgeführt», sagt die 25-jährige Beteiligte. «Obwohl wir den Boden der Botschaft nicht betreten hatten und uns auf dem Trottoir befanden, wurden uns die Ausweise abgenommen und fotografiert. Als ich fragte, ob es normal sei, dass Leute beim Niederlegen von Blumen polizeilich kontrolliert würden, sagten die Beamten, sie machten das überall so. Das kann ich nicht glauben», so die Frau weiter.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigte die Kapo Bern den Polizeieinsatz. Man habe standardmässig eine Personenkontrolle durchgeführt. Bei der Kontrolle von mehreren Personen sei es zudem nicht aussergewöhnlich, mit mehreren Patrouillen an einen Einsatzort zu fahren. Man habe jedoch nichts Verdächtiges bei den Personen festgestellt. «Nach Absprache mit der Botschaft durften die Frauen und der Mann die Blumen niederlegen», so Mediensprecher Christoph Gnägi.

Beim IZRS hat man kein Verständnis für den Einsatz: «Uns stellt sich die Frage, wieso die Polizei derart martialisch vorfahren musste», sagt IZRS-Sprecher Qaasim Illi auf Nachfrage. «Es bestand kein Grund dazu und die Betroffenen fühlten sich vor allem durch die Aufnahme ihrer Personalien eingeschüchtert.»

>> Link 20 Minuten

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