Ausgediente Legehennen sollen auf Tellern enden

Legehennen landen nach einem Jahr in der Biogasanlage. Das wollen drei Studenten einer Berner Schule nun ändern. Per Crowdfunding suchen sie Geld für ein Projekt.

Die Berner dürfen stolz sein auf ihre Freilandhaltung. Doch trotz Auslauf haben Legehennen auch hier ein kurzes Leben, denn nach einem Jahr nimmt ihre Legeleistung ab. Die Hennen landen dann aber nicht etwa im Suppentopf, sondern oft in der Biogasanlage. Per Crowdfunding möchte eine Gruppe aus Bern dagegen vorgehen.

«Viele Leute wissen nicht, dass Legehennen nur zum Eierlegen da sind. Wenn ihre Leistung abnimmt, hat man für sie keine Verwendung mehr. Dass sie nach rund einem Jahr in der Biogasanlage landen, finden wir nicht nur unethisch, sondern auch eine Verschwendung von Ressourcen», sagt André Gugg, Mitglied des Vereins Supperter.

«Das Fleisch ist nicht alt»

Dabei hätten die sogenannten Althennen nach wie vor gutes und gesundes Fleisch. «Man hat noch immer die alte Vorstellung vom Suppenhuhn, das der Bauer nach acht Jahren in den Kochtopf geworfen hat. Doch die Hennen sind nicht alt und das Fleisch auch nicht zäh. Die Tiere sind erst 12 bis 18 Monate alt», so Gugg.

Dies betont auch Willy Neuhauser, Präsident von Gallo Circle, der Genossenschaft der Schweizer Eierproduzenten: «Das Fleisch der Legehennen muss etwas länger gekocht werden, ist insgesamt jedoch geschmackvoller.» Eignen würde es sich sowohl für Schnitzel wie auch für Curryreis oder Suppen.

Um den Verzehr der Althennen zu fördern, hat nun eine dreiköpfige Gruppe am WWF Bildungszentrum in Bern den Verein Supperter ins Leben gerufen. «Wir wollen eine Vermittlerrolle zwischen Hühner- und Schlachthöfen übernehmen. Denn viele Metzger können Legehennen gar nicht erst schlachten, weil der Betrieb auf dicke Masthühner ausgelegt ist», sagt Gugg. «Legehennen sind vom Körperbau her dünner, da sie ihre Energie in die Produktion von Eiern stecken. Das Fleisch kann aber problemlos für die Verarbeitung von Würsten oder Burgern verwendet werden.»

Die zweite Dimension der Henne

Ein weiteres Ziel der Gruppe ist die Etablierung der eigens gegründeten Marke H2 (H hoch 2), mit der die Initianten auf die «zweite Dimension» der Legehenne verweisen wollen. «Die Eier der Henne sind die erste Dimension, das gesunde Fleisch stellt die zweite Dimension dar. Unser Traum ist es, dass die Leute in der Metzgerei nach H2-Fleisch verlangen können und wissen, dass sie damit Gutes tun», so Gugg.

Dorothea Loosli, Präsidentin des Berner Tierschutzes, begrüsst die Idee: «Es ist erschreckend, wie weit wir als Gesellschaft von einer tiergerechten Haltung entfernt sind. Wenn nun jemand aufgrund dieser Marke bewusst Althennenfleisch an der Metzgertheke verlangen kann, heisst das, dass er sich bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt hat – und das ist begrüssenswert.»

In einem Pilotprojekt hat die Gruppe bereits einen ersten Hof im Aargau anvisiert, der einen Teil seiner Althennen schlachten und das Fleisch zu Würsten und Burgern verarbeiten lässt. Um mit dem Projekt fortfahren zu können, sind die Initianten jedoch auf Geldgeber angewiesen. Auf der Crowdfunding-Plattform 100-days.net können Sympathisanten deshalb die Gruppe unterstützen. «Wir sind ein gemeinnütziger Verein und verdienen keinen Rappen an den Produkten», sagt Mitinitiant André Gugg. Ab einer Spende von 150 Franken erhalten Gönner sogar Produkte aus «Althennenfleisch» frei Haus.

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