Adoptivkind mit Filmteam auf Spurensuche

Als Säugling wurde der kleinwüchsige Samuel Kohler von Schweizer Eltern adoptiert. Mit einem Filmteam machte er sich in Portugal auf die Suche nach seinen Wurzeln.

«Jimmyjoe» ist ein Film über die Reise in ein fremdes Land, die Bewältigung der eigenen Vergangenheit und die Suche nach sich selbst: Samuel Kohler wurde als Säugling aus einer Sozialwohnung im portugiesischen Almada geborgen. «Ich lag in einem Wäschehaufen. Mein Rücken war wund und ich war unterernährt», erzählt der mittlerweile 25-Jährige. Die kinderlose Schwester des Hilfswerksmitarbeiters nahm sich des kleinen Samuel an und holte ihn zu sich in die Schweiz. Hier bestätigten medizinische Untersuchungen, dass Samuel unter Kleinwüchsigkeit leidet.

Reise in die Vergangenheit

Seine Vergangenheit liess den in Bern lebenden Samuel Kohler jedoch nicht los. 25 Jahre später beschloss der Mann, sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter zu machen. «Ich wusste von Anfang an, dass ich adoptiert bin, und habe mir ein Leben lang Gedanken darüber gemacht, woher ich komme und wo meine Wurzeln sind», sagt Samuel Kohler gegenüber 20 Minuten. Als er dem Regisseur Urs Frey begegnete, kam die Idee auf, Samuels Geschichte zu verfilmen. Zusammen mit der Filmcrew machte sich Samuel auf den Weg in das ihm fremde Portugal.

Dort erwies sich die Suche nach seiner leiblichen Mutter schwieriger als gedacht. «Wir haben angefangen, das Quartier zu durchforsten, wo mich mein Onkel damals gefunden hatte. Dort hat man uns zunächst mit einer anderen Familie verwechselt, so dass wir zunächst eine falsche Spur verfolgten. Doch als sich allmählich der Besuch der Filmcrew herumsprach, hiess es dann plötzlich: Wir haben deine Mutter gefunden!», sagt Samuel Kohler.

«Meine Familie ist hier in der Schweiz»

Die Begegnung mit seiner Mutter beschreibt Samuel jedoch als ernüchternd: «Ich habe sie zunächst einfach nur gemustert. Geschaut, was für Augen sie hat. Mich gefragt: Hast du Ähnlichkeit mit ihr?» Seine Mutter sei eher zurückhaltend gewesen – vielleicht hätte es allerdings auch daran gelegen, dass das Filmteam sie mit dem Besuch etwas überrumpelt hatte. «Ich habe mir von dieser ersten Begegnung sehr starke Gefühle erhofft», sagt Samuel Kohler, «im Endeffekt habe ich jedoch einfach nur daran gedacht, dass ich seit X Jahren in der Schweiz lebe und von Schweizer Eltern aufgezogen worden bin. Meine Familie ist hier in der Schweiz.» Trotzdem pflegt er noch immer Kontakt zu seinen sechs Brüdern und seiner Schwester in Portugal.

Eine Botschaft liegt dem jungen Mann jedoch besonders am Herzen: «Eltern sollten von Anfang an ehrlich zu ihren Adoptivkindern sein. Jeder hat das Recht zu erfahren, wo seine Wurzeln sind, und die Möglichkeit haben, sich danach auf die Suche zu machen.»

Der Dokumentarfilm «Jimmyjoe» läuft am 17. November um 11.15 Uhr auf SRF 1.

Link 20 Minuten: Adoptivkind mit Filmteam auf Spurensuche

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